Meine Erlebnisse und hoffentlich Abenteuer möchte ich hier mit euch teilen, und außerdem natürlich gerne in Kontakt bleiben!
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Tuesday, October 26, 2010

Das Land, in dem die Schuhe aus Gold gemacht sind

Heute war ich shoppen. Naja, dachte ich. Dass hier alles ein bisschen teurer ist, wusste ich schon. Dass man allerdings kein Paar Schuhe unter 12 000 Kronen findet, hat mich dann doch ein bisschen unerwartet getroffen. Und das sind die günstigen. Der Schnitt für ein schönes Paar liegt so bei 20 000. Hab mir also die Hacken abgerannt, denn da es jetzt den ersten Schnee gab, muss wirklich dringend die passende Winterbereifung her. Fündig geworden bin ich dann tatsächlich in einem Second Hand - Vintage Shop auf der Hauptshoppingstraße in Reykjavík, ziemlich cooler Laden. Sie sind schwarz, eine Nummer zu klein (also nicht skisockentauglich), aus Deutschland und schön gefüttert. All das für schlappe 60 Teuro. Und das war das Schnäpperchen des Tages. Denn wer hätte gedacht, dass es so schwierig sein würde, im Land aus Feuer und Eis und REGEN ein Paar nicht schwarze Gummistiefel zu finden? Im allerletzten Laden (nach einer kompletten Mall und einer kompletten Einkaufsstraße) dann endlich die Erlösung: limonengrüne Hunter wellies! Hoffe, dass meine Reithose mit in den Schaft passt, denn der ist ein bisschen spack; ihr merkt, ich lerne, Kompromisse einzugehen. Ist ja sonst nicht so mein Ding.

Habe heute mein neues Lieblingsrestaurant gefunden, es ist skandinavisch und sie haben den tollsten Hühnchensalat wo gibt! Endlich mal wieder richtig lecker Salat, ich bin fast ohnmächtig geworden vor Glück. Der Kellner war etwas irritiert, dass ich mich kaum halten konnte vor Lobpreisung, zum Glück war ich allein im Restaurant :) Als ich das Geheimnis um meine Glückseligkeit gelöst hatte, fand er es ganz witzig und die sehen mich da jetzt bestimmt auch öfters. Weiterer Pluspunkt ist nämlich, dass man da totaal schön sitzen kann, so richtig nach meinem Geschmack, und das ist in Island schon ein bisschen schwieriger zu finden, da die total au Burger aus Kiosken (!) stehen. Komische Welt. Ich bin happy, eine nette Oase für mich gefunden zu haben. Yeehaaw.
Weiterer Höhepunkt des Tages: Abstecher in die Parfümerieabteilung der Kette Haugkaup. Ich rieche sooo schön nach Hugo Boss. Schade, dass der mich nicht mal in meinem Zimmer besuchen kommt ;)

An Muttern: Muss dringend mal mit dir reden / skypen; ich habe eine Stelle am Fuß, an der seit ein paar Tagen die Haut irgendwie komisch kribbelt, wenn man anfasst und sich fast taub anfühlt; ist das gefährlich?

An alle andern: Ich habe eine Stelle am Fuß, an der seit ein paar Tagen die Haut irgendwie komisch kribbelt, wenn man sie anfasst und sich fast taub anfühlt. Hatte das schon mal einer oder weiß jemand, ob das schlimm ist?

Muss ins Bett, meine Lieben; schon wider fast 23 Uhr. Oh Gott. Die Schlunzerei fängt an, muss morgen wieder um 7:15 auf dem Pferd sitzen. Auf gehts.
Beste Grüße, eure Julia

Thursday, October 14, 2010

Da anscheinend endlich der Foto-Upload wieder funktioniert, gibt es hier ein paar Impressionen!















"Hand Nach Arbeit", 2010, in Dreck
















Beim Ausritt über Nachbars Weide; Pferdeherde mit verschiedenen Fohlen, hier eins davon im Graben.





















Ausflug Glacier Walk und Besuch des Wasserfalls vorletzte Woche
















Und von heute: Grüße von Gullfoss





















und Geysir!
















Und meine Kollegen Freyr, Danielle und Johanna beim gemeinsamen Abendessen. Freyr ist weg.
Hallo meine Lieben,
nach fast zweiwächiger Durststrecke (ich war gerade selbst ganz schockiert, als ich es gesehen habe) melde ich mich endlich mal wieder. Ihr könnt fast erraten, warum das so lange dauert; ich arbeite ziemlich... sagen wir, intensiv. Wir sind nur noch drei Mädels, die hier im Hotel wohnen, das heißt, wir müssen uns die gleichen frühmorgendlichen Pflichten wie Frühstücksdienst, Brot beim Bäcker abholen und Pferdeherde reintreiben auf weniger Leute aufteilen. Heißt unterm Strich: so gut wie jeden Morgen um halb sieben aufstehen und "on" sein. Viele von euch wissen ja, wie sehr das mein Fall ist. Trotzdme muss ich sagen, dass es schon ein Unterschied ist, ob jemand um 8:00 Uhr eine vollständige Kurvendiskussion (MIT Wendepunkten!!) von einem verlangt oder ob man mit Gummistiefeln und einer Schippe Pferdekacke aus einer Box in eine Schubkarre schippt. Der intellektuelle Anspruch an meinen Job wurde mir auch mal wieder bewusst, als ich neulich abends beim Kartenspielen ganz verstört gefragt wurde, ob ich 8 mal 3 tatsächlich im Kopf ausrechnen könne. Ja, kann ich. OHNE Taschenrechner. Mein Mathelehrer wäre stolz auf mich, dass nach dem Abi tatsächlich noch was hängengeblieben ist.
Heute habe ich mal wieder frei und habe mich dazu entschlossen, an einer weiteren Bustouri-Safari teilzunehmen. Es geht nach Geysir und Gullfoss (gesprochen: gäe-ßech und güttl-foss), der großen Wasserfontäne Islands, die den ihresgleichen ihren Namen verlieh und einem großen, großen Wasserfall. Weil ich auf Eldhestar arbeite, kann ich auch umsonst mit. Ich werde um eins vor dem Hotel abgeholt. Wenn das mal kein Service ist, Leute! Harte Arbeit zahlt sich manchmal anscheinend doch aus.

Weiterhin lerne ich was fürs Leben. Ich habe viel mit Leuten zu tun, sehr viel. Auf meinen täglichen Touren sieht man alles, was die menschliche Bandbreite so zu bieten hat; Von den drei jungen Männern aus Israel, die mir Tel Aviv als attraktives Reiseziel mit florierendem Nachtleben empfohlen haben (ist übrigens total sicher, hab ich natürlich peinlicherweise erstmal nachgefragt), über den 200kg-Durchschnittsamerikaner, der es toll findet, dass die kleinen Pferde ihn tragen können (das war übrigens ne Schrittrunde) bis hin zum frischgebackenen Doktor der Physik, der eigentlich Spanier ist, aber nach Zwischenstopps in Colorado und Finnland in Sydney lebt. Es ist spannend, so viel Neues kennenzulernen, und man entwickelt erstaunliche Fähigkeiten, mit allen zurechtzukommen. Muss man ja. Und es gibt immer wieder neue, überraschende Erkenntnisse. Zum Beispiel, dass es viel länger dauern kann, von einem Pferd abzusteigen, als draufzukommen.

Nach ein paar ruhigeren Tagen haben wir gestern eine 16-köpfige Reitschule begrüßt, am Samstag kommt ein englisches Mädcheninternat mit 50 Leuten. Die reiten aber zum Glück nicht; meine englische Kollegin Danielle hat uns schon mental auf das Aufschlagen dieser truppe vorbereitet. Sehr amüsant. Gut, dass ich Sonntagabend erstmal den Abend habe. Freu ich mich drauf. Nachdem ich sonst immer dienstags dran war, nun auf einmal Sonntag... Ob das Zufall ist?! Nächste Woche ist es bestimmt wieder der Dienstag ;)

So, jetzt muss ich mich aber mal auf die Socken machen. Moment, die sind ja alle in der Wäsche. Also mach ich mich auf in die Gummistiefel, über den Hof laufen, Pferdesachen waschen. Das ist jetzt wirklich mal bitter nötig. Dafür gibts nämlich ne Extra-Waschmaschine. Toll, oder? Alle Schikanen hier...

Bis dahin, liebe Leute! Ich hoffe, euch geht es allen gut, egal, was ihr gerade macht. Und allen diejenigen, die umgezogen sind oder das bald tun, wünsche ich eine tolle Zeit und eine gute Eingewöhnung!
Liebste Grüße, Julia

Saturday, October 2, 2010

The Fast and The Furious

Nachdem am Donnerstag an meinem freien Tag in Reykjavík sogar manchmal die Sonne rausgeschaut hat, bin ich ganz entspannt wieder zur Arbeit angetreten. Noch ein bisschen fröhlicher, weil ich endlich eine Bürste für meine Finger gefunden habe! In der Apotheke. Aber ok. Hab ich dann natürlich beim Duschen erstmal vergessen, fiel mir dann aber erst ein, als ich schon klitschnass war, also werde ich die jetzt gliech mal einweihen! Bin schon ganz aufgeregt ;) Jaja, man lernt, sich über die kleinen Dinge im Leben zu freuen. Zum Beispiel darüber, dass es nur ein bisschen regnet. Oder darüber, dass der Nagel beim Gurten nicht ganz eingerissen, sondern nur angerissen ist. Oder dass man doch noch daran gedacht hat, seinen Steigbügel nach dem Nachgurten der Gäste vor dem Aufsteigen drei Löcher länger zu schnallen, bevor auch der große Zeh gefühllos wird. Alles schöne Sachen!

Heute haben wir "The Fast And The Furious" gespielt. Mein Pferd war The Fast, und ich war The Furious. Ein Pferd, das eigentlich drinnen bleiben sollte, wurde rausgelassen und ist dann auch noch ausgebüxt. Ich wollte gerade so richtig schön beginnen, mein Pferd zu arbeiten, musste dann aber leider auf Jagd gehen. Mein Pferd ist noch ziemlich jung und eine wilde Querfeldeinjagd eigentlich das Letzte, was in den Trainingsplan passt. Kurzum, wir haben den Gaul gejagt, angebrüllt, -gekreischt, gescheucht - und nur eine halbe Stunde später hatten wir es da, wo es nicht hinsollte, auf der Weide. Aber man nimmt ja, was man kriegen kann. Wieder die Sache, sich über kleinere Dinge zu freuen - wie darüber, dass keiner bei der wilden Jagd auf der Asphaltstraße verletzt wurde.

Ich gehe jetzt schnell duschen und dann zu meinem wohlverdienten Abendfutter!
Gute Nacht, eure Julia

The Fast and The Furious