Manchmal passiert ja tagelang gar nichts, und dann alles auf einmal. Meine limettengrünen Gummistiefel wurden am nächsten Tag getauft, als ich beim Zaunbauen im Matsch des letzten der 6 Entwässerungsgräben, die ich durchklettert habe, stecken blieb und total grazil die Wand der Rinne geküsst hab. Ich kann sagen, die Gummistiefel sind dicht, auch, wenn Wasser drin ist.
Am Freitag war dann "High Life" hier; zuerst Lena und mein verzweifelter Versuch, Monty die Maus im Zimmer meiner Kolleginnen einzufangen (Danielles Meinung nach macht es die Namensgebung einfacher, das Zimmer mit ihm zu teilen), der es sich anscheinend seit Tagen dort bequem gemacht und sich durch ein zu aufmüpfiges Rascheln im Schokipapier bemerkbar gemacht hatte. Wir waren ein paar Mal seehr nah dran, und ich konnte vor Lachen nicht mehr, als wir uns wie bekloppt auf dem Boden und unter dem Bett gewälzt haben, um den kleinen Racker in den Schuhkarton zu sperren. Die Soundeffekte waren vor der Tür, wo Dani wartete, wohl auch ziemlich spektakulär. Zahlreiche blaue Flecken auf den Knien erinnern uns noch an dieses Ereignis. Das Zimmer sah aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte. Wörtlich.
Dann ereilte uns abends der Schlag des Schicksals, als wir "mal eben" die Pferde noch auf eine andere Wiese umtreiben wollten. Wir raus, im Stockdunkeln (!), los gings, Pferde erstmal in Gang gesetzt, waren sie nicht mehr zu stoppen. Da ich leider im Dunkeln einen etwas falschen Weg eingeschlagen hatte und auf einmal etwas dumm vorm Zaun stand und in den Treckerfurchen umherstolperte, war mir leider völlig entgangen, dass die Pferde gar nicht mehr auf der Wiese waren, sondern alle 40, die dort etwa standen, fröhlich auf der Asphaltstraße hinterm Stall herrannten. Laut geflucht, losgerannt. Es folgte eine etwa anderthalbstündige Einfangaktion mit allen, die verfügbar waren (auch die Mädels aus Hveragerði mussten leider nochmal anreisen) und einiges Gerenne. Versucht mal, 10 schwarze kleine Pferde im Dunkeln zu finden. Sehr lustig. Sie hatten sich in einer Kleingruppe hinterm Hotel versteckt, fein säuberlich nach Farbe sortiert, die Dunklen nach außen. Da muss man trotz der verfahrenen Situation schonmal Grinsen. Natürlich auch, wenn die weißen Pferde größer sind als die schwarzen. Herzallerliebst, die Süßen!
Am Samstagabend war dann groß Abendessen in Reykjavík angesagt, Julia durfte den neuen silbernen umgebauten 8-Sitzer-Bulli fahren! Nach Reykjavík. Nach kurzer Blamage an der Tanke (zum Tankmann: "Neues Auto, ich weiß nicht, wo der Deckel ist, ich weiß nicht, wie er aufgeht, ich weiß nicht, was reinkommt, aber einmal volltanken, bitte!" gut, dass ich mal wieder ein Kleid anhatte :) )ging es dann auch schon los, haben uns sogar kein Mal verfahren (Köln ist ne gute Übung) und alle waren ein bisschen überrascht, wie ich so kompetent Auto fahren kann, wo ich doch sonst so verpeilt bin. Tja, was soll ich sagen. Mutters Kind.
Essen war lecker, endlich mal wieder richtiges Besteck, auch wenn die Suppe ein bisschen kalt und die Gläser nicht poliert waren. Ich glaube langsam, dass wir das einzige Land sind, in dem das alles so genau genommen wird. Ganz ehrlich? Ich mag es. Es hat was. Wenn ich ein schmieriges Glas will, kann ich auch auf dem Hof bleiben, hands down. Dafür muss ich mich nicht nach Reykjavík schieben und mich richtig anziehen und DANN auch noch Make-Up auflegen. Also wirklich, all der Stress für unpolierte Gläser? Ich glaube kaum. ;)
Sonst war es aber trotzdem schön, und weil Cheffe gerade so in Spendierlaune war, kamen auch noch ein paar Drinks in der nächsten Bar dazu. Endlich haben wir uns wieder gefühlt wie Menschen. Und als dann auch noch Vikinger vor der Scheibe der Bar herliefen, wusste ich, ich bin in Island (Halloween-Kostüme natürlich... was denkst du denn?).
Ich war überrascht, dass ich mich tatsächlich bis 1 Uhr wachhalten konnte, bin dann aber auch sofort ins Bett gefallen, als wir zu Hause waren. Und weil man es gar nicht mehr gewohnt ist, musste ich so viel Schlaf nachholen, dass ich gestern total k.o. um 19:30 Uhr ins Bett gefallen und um 7 Uhr totmüde aufgestanden bin... Jaja, soviel dazu. Zwischendurch ein paarmal gestresst aufgewacht, weil ich dachte, Touristen verloren, Zäune nicht geschlossen und Pferde auf die falsche Wiese gertieben zu haben. For real. Einmal wollte ich sogar anfangen zu reden (auf Englisch natürlich...), weil ich wirklich dachte, ich hätte aus irgendeinem Grund Touristen in meinem Zimmer. Und die vergessen, weil ich einfach eingepennt bin. So weit ist meine Psyche schon den Bach runter.
Morgen habe ich frei, dann werde ich mal der berühmten Blauen Lagune einen Besuch abstatten und meiner Haut eine Salzbehandlung gönnen. Der Wind ist nämlich zwischendurch nicht ganz ohne, einer meiner Handschuhe ist ihm schon zum Opfer gefallen, als er unbemerkt weggeweht und nicht mehr gesehen ward. Und so ist auch mein Gesicht zu weilen etwas rötlich (also sehr rot) und ein bisschen beauty tut ihm bestimmt ganz gut!
Beste Grüße, Julia
Ach ja, und den zweiten Schnee hatten wir auch schon. Ätsch.